Liebe Karin,

schön, dass ihr negativ seid! Klingt immer noch gewöhnungsbedürftig, aber Du weißt ja, wie es gemeint ist. Dann bleibt bitte weiter gesund.

Mir geht es gut auf meinem Homeoffice-Balkon, und wie Du siehst, unterbreche ich manchmal die Arbeit am Laptop und tue so seltsame Dinge wie Texte lesen, die auf Papier gedruckt sind. 

Gestern Abend waren die liebe Gattin und ich mit meinem Bruder essen – draußen natürlich und mit Abstand –, und wir hatten ein sehr schönes Gespräch über diese seltsame Unübersichtlichkeit, die wir in der verrückt gewordenen Welt spüren. Kaum schlage ich am Morgen danach die Zeitung auf, sehe ich die Kolumne unseres gemeinsamen Bekannten Michael Herl: „Überblick verhindert Jogginghose“. Was der Michel sagen wollte: Wer die unübersichtlichen Dinge nicht ordnet, fällt leicht der Verwahrlosung anheim, und dann ist es nicht mehr weit bis zum Spaziergang mit Jogginghose, ungeduscht. Ich bin sofort Zähneputzen gegangen. 

Mit das Schönste am Urlaub ist ja, dass die Dinge, die man aufräumen und sortieren müsste, zu Hause bleiben. Jedenfalls die Gegenstände, mit den eigenen Zuständen ist es natürlich was anderes. Aber spannend ist es auch daheim: Es gibt so viel zum Nachdenken, so viel Bewegung um mich herum, die mich umtreibt – mal mit Sorge, mal mit Freude –, dass es mir keine Sekunde langweilig wird. Ich werde berichten.

Besitos! Dein Stephan

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